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Florian Herzogs fotografische Inszenierung zeigt Serien diverser Alltagsgegenstände, welche aus lebendigen Objekten statische Gegenstände entstehen lassen, als auch umgekehrt, einem leblosen Gegenstand scheinbar Leben einhauchen. Besonders im Zeitalter der digitalen Bilderwelt, welche geprägt ist von Verfremdung und der Illusion von Wirklichkeiten, gelingt es dem Fotografen auf beeindruckende Weise eine neue Wirklichkeit entstehen zu lassen. Dabei konzentriert er sich ausschließlich auf die analoge Produktionsweise und überzeugt mit seiner Liebe zum Detail.
Mit dem Schwerpunkt auf das gestalterische Medium der analogen Fotografie, kreiert Herzog eine Symbiose zwischen den Gegenständlichkeiten und ordnet den Objekten und organischen Kreaturen eine neue Identität und Funktion zu. Die Entfremdung aus der ursprünglichen Bedeutung der verwendeten Objekte, wird mitunter durch die Bildtitel unterstrichen. Durch das Rearrangement entstehen Objekte aus Bestandteilen, die nicht sein wollen, was sie tatsächlich sind. Beispielsweise zeigt die „Kirone“ eine Kiwi in einer Zitronenschale oder „Tulros“ eine Tulpe mit Rosenstacheln. Die „Fliegende Untertasse“ zeigt eine tatsächliche Untertasse, die im typischen Schwarz-Weiss „UFO“-Stil fotografiert ist und spielt so mit der medial geprägten Bild-Charakteristik. Durch die besonders detailreiche Kreation der Gegenständlichkeiten gelingt es dem Fotografen dem Betrachter eine neue Perspektive auf die inszenierten Zweckentfremdungen zu eröffnen. Ein Haushaltshandschuh, gefüllt mit Milch, in einem fotografisch perfekten Arrangement als mit Milch gefülltes Euter, Metalldraht als Pasta-Nudeln umwickelt eine Gabel, ... die gesamte Ausstellung zeigt eine vielfältige Variation an fotografischen Metaphern und Wortspielereien, die in farbenfroher Lebendigkeit und stilvoller schwarz-weiss Ästhetik umgesetzt wurden.
Scheinbar real muten diese im Grossformat inszenierten Fotografien den Betrachter an und erlauben es, sich einem Bild für längere Zeit zu widmen und sich von der besonderen Liebe zum perfekten Detail der Objektgestaltung beeindrucken zu lassen.
Auf den ersten Blick leere, heruntergekommene Räume, im Grunde nichts Besonderes, bis man sie beginnt zu lesen. Lebensspuren kennzeichnen den Lebensraum und geben ihm eine Identität. Der Raum ist eine Bühne und hinterlassene Dinge übernehmen als Requisiten die Hauptrolle. Ich begann 2002 leerstehende Behausungen zu entdecken. Dazu drang ich in Häuser ein und fing die eigenartige und „unheimliche“ Ästhetik der verlassenen Orte ein. Man wird zum Einbrecher und Spion, der das einst private Leben und Umfeld anderer Bewohner streift und die Hinterlassenschaften ausforscht.
Ich betrete nicht einfach verlassene Gebäudeobjekte sondern vielmehr „Sozio-und Bio-Sphären“ und hinterfrage die vielschichtigen Geschichten zurückgebliebener Sachen.
Wenn Dinge und Umgebung von Lebewesen so durchlebt werden, dass sich ihre räumliche Existenz durch sie hindurch erweitert und vervielfältigt, entstehen beseelte Lebensräume. Man spürt die Aura, zu der Raum, Zeit und Lebewesen verschmolzen sind. Ich fotografiere das allzu Individuelle und Zufällige, das sich in den herumliegenden Dingen manifestiert. Aufgrund dieser Relikte lässt sich die zeitgeschichtliche Art der Nutzung von Räumen definieren. Manche Dinge, die erst gebraucht und danach zurückgelassen wurden, erscheinen zweckentfremdet und werden dadurch zu Zeugen eines Tatbestandes.
So kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den, auf den ersten Blick, banalsten Situationen. Der gegenständliche Lebensraum wird zu einem medialen, der all diese Dinge zu einem Sinnganzen verbindet.
Diese Gegenstände, Lebensspuren der „leeren“ Orte, geben Hinweise auf das Geschehene. So wie ich Filme lang belichtet habe, sollte sich der Betrachter auch länger mit einem Raum beschäftigen, da die visuelle Spurensuche nur langsam und nur mit viel Geduld möglich ist. Lebensräume haben viele Zeit- und Raumschichten, die nur in den Lebewesen und in den Lebensspuren selbst gespeichert sind.
Run-down rooms, basically nothing out of the ordinary untill you begin to read it`s marks of life.
In 2002 I started to discover deserted accommodations. Therefore I forced my way into diverse empty housings and captured the peculiar and tremendous aesthetic of these desolated dwellings.
I become an intruder and a spy who touches the once private lifes and surroundings of other inhabitants to investigate their legacys. I don`t simply enter deserted buildings rather than “social-and biospheres” to analyze the complex stories of things left behind. When things have got experienced by it`s inhabitants their spatial existance has got broaden and duplicated through this fact.
As a result souled habitats and spaces come into existance and you are able to feel the aura to which space, time and living things are melt together. I photograph the all too individual and coincidential that is manifested in relicts that lie around.
On the basis of these “lie-arounds” the kind of contemporary usefulness of rooms and spaces can be defined. Some things which first got used and then laid back seem misused in a way and therefore come forward as a witness to a fact. That is how it happens that people tackle the problem of what seems to be a banal situation.
The objektive habitat turns into a medial giving all material objekts a new meaning.
Relicts are marks of life and give hints to something that could have happened. since 2002 i have traveled throughout Europe photographing desolated and deserted dwellings. Acting as a visual historian i try to capture precisely composed pictures with a conceptual meaning beyond my aesthetical output. In this work i try to get to the bottom of the way civilization may have lived or acted in their specific sourroundings before they were gone.
All images are photographed with a linhof 4x5 inch camera on Kodak negative film. Final print sizes are 110x130 cm and are editioned to 5 pieces each.
Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wo ist die Grenze zur nicht Wirklichkeit? Menschen verhalten sich vor einer Kamera immer anders, als man sie kennt. Sie fühlen sich beobachtet und versuchen sich best möglich zu positionieren, um ihr Unbehagen gegenüber dem Betrachter zu vertuschen. Die Momentaufnahme soll den Portraitierten in einem sympatischen Augenblick einfangen, in einer stattlichen Pose mit positiver Ausstrahlung. Schlichtweg attraktiv, sexy und selbstbewußt sollte man auf dem Foto dargestellt sein. Diese Ansprüche fordern schon nahezu anomalische Posen-sich zu verstellen, zu inszenieren, nicht im geistlichen Sinne, sondern der gekünstelte Ausdruck steht somit dem Natürlichen, dem Spontanen gegenüber. Der Mensch braucht ein Revier, in dem er sich frei bewegen kann und in das er sich zurückziehen kann. Die Privatsphäre. Dringt jemand in diese Zone ein, so verhält man sich sonderbar anders. Unnatürliche Bewegungen und Verhaltensstörungen sind die Folgen. So passiert es also, dass eine gezwungene Natürlichkeit einer Echten gegenübergestellt wird. Man wird sozusagen in ein Bild installiert. Demnach gibt es für mich kein natürliches Portrait von Menschen im herkömmlichen Sinn, als diese vom Fotografen in eine „rechte Position“ gerückt werden. Die Portraits in den installierten Wirklichkeiten erheben keinen Anspruch auf die Darstellung der Wirklichkeit. Irritationen werden bewusst provoziert indem die Menschen-Skulpturen in eine Umgebung installiert werden. Die Models werden posiert und sozusagen in eine Handlung gezwungen. Die scheinbare Wirklichkeit wird also von einem Regisseur konstruiert. Diesen Eingriff übersetzt der Künstler als „Installation“(Inszenierung), da dieser Prozess die Wirklichkeit aus ihrer Ordnung reißt und somit manipuliert wird. Menschen werden zu lebendigen Puppen aus Fleisch und Blut. Die Umgebung und die Gegenstände stehen in unmittelbarem Kontext zueinander und bilden gemeinsam eine surreal anmutende Atmosphäre. Die Darstellungen bewegen sich irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit und sollen dem Betrachter genügend Spielraum für Interpretationen lassen. Die Fotos zeigen eine imaginäre Wirklichkeit, wie sie der Künstler sieht und basiert auf einer Konzeption, die dem endgültigem Bild vorausgeht. Die oft surreal anmutenden Fotos unterliegen einer strengen Ästhetik, die durch die sorgfältige Wahl der Umgebung und Requisiten erschaffen wird. Oft dient die Malerei als Vorbild, in der das Arrangement von Farbe, Perspektive, Proportion und Komposition eine wichtige Rolle spielt. Der Inhalt der Fotos ist frei erfunden, ist Imagination und die Umsetzung unterliegt der Kontrolle des Künstlers, der sich somit wieder in die Bilder einbringt. Die großformatigen Bilder sollen Möglichkeit bieten hineinzutauchen oder sich zu distanzieren. Der Betrachter wird eingeladen Teil des Bildes, Teil der Geschichte zu werden. Die Qualität der großformatigen Bilder trägt dazu bei zu verstehen, dass es sich um keinen Schnappschuß, sondern um ein komponiertes Bild handelt, in dem kein Zufall stattfinden kann. Die Wirklichkeit wird vorgetäuscht, sie wird installiert.
The portraits in the „Installed Realities“ portfolio do not rely on showing true reality. Visual dichotomies are consciously provocative as Sculptures are installed into a surreal surrounding. Things and Models are posed and are forced into a storyline. This seeming reality is a construct. This relationship is translated as „installation“ by the artist, and this creative process purposely destabilizes and manipulates reality. Surroundings and props impose context and create a surreal atmosphere. The pictures depict something in between dream and reality and while the constructs and concepts are concrete, they leave enough space to allow for viewer interpretations. The installations show a fictitious reality through the artists eyes and are based on conceptual ideas predating the final print. The pictures appear surreal, with careful choice of surroundings and props that create an aesthetic specific to the photographers intent. In that sense they may appear more like paintings where colour, perspective and composition are arranged together to form a vision of the artists interpretation of a scene. The picture`s content is imaginary and the whole set up is controlled by the artist who finally brings himself into the picture again with a camera as a brush. The large format provides the viewer a pathway to become an active part of the picture as well as to create a sense of distance. The quality of the large format states the fact that it is no snapshot but indeed a well composed picture where no coincidence may occur. The reality is affected-it is installed.